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Kuas 1970 No. 12 page 229-230

Frailea x chiquitana/cataphracta
Udo Köhler

Ferien in München führten mich, dank eines Hinweises des dortigen DKG-Ortsgruppenleiters, Herrn FRANZ POLZ, ZU Herrn Dr. MANFRED HARTL, den ich bisher nur brieflich als Kakteenfreund kannte. Er zeigte mir freundlicherweise seine umfangreiche Sammlung, die er in einem höheren Etagen-Miethaus auf dem Balkon aufgebaut hat.
Die Pflanzen waren so tags und nachts der jeweiligen Witterung ausgesetzt und fühlten sich offenbar sehr wohl dabei, denn sie befanden sich in einem vorzüglichen Zustand. Zudem gab es in der Sammlung viele Raritäten und als schwierig bekannte Arten, die offenbar mit Umsicht und Können zu Wachsen und Blühen und Fruchten gebracht werden. Das Können besteht in einem „Fingerspitzengefühl", jede Pflanze an ihren richtigen Platz zu stellen.
Hartls Beobachtungen zeigen ihm, welche Arten in greller Sonne, in leichtem Schatten oder gar im Vollschatten gedeihen. Diese geeigneten Plätze wurden ohne besondere Einrichtungen geschaffen, indem kleinere Arten eben in den Schatten größerer Pflanzen gestellt werden.
Es fielen mir nun als „Fraileenfreund" eine Reihe halbschattig stehender Arten auf, die prächtig gedeihen und — wie mir versichert wurde — trotz des Halbschattens auch blühen.
Z. B. die Frailea asterioides-castanea-Gruppe.
Ich erinnerte mich bei dieser Kultur daran, daß in älteren „Lehrbüchern" wiederholt davon die Rede ist, daß man Fraileen halbschattig halten und nur zum Öffnen der Blüte ins volle Sonnenlicht stellen solle 1).
Herr Dr. HARTL bestätigte mir aber, daß die Fraileen auch im Halbschatten voll und reich blühen.
Zum Blühverhalten der Fraileen möchte ich die Beobachtung WILHELM SIMONS bestätigen, daß Fraileen — wenn sie blühen sollen — im Wachstum nicht gestört werden dürfen (durchUmtopfen z. B.), weil sie sonst in unseren klimatischen Verhältnissen zur Kleistogamie neigen, daß im übrigen das Sonnenlicht allein nicht entscheidend für das Blühen ist: Am sonnigsten Tage bei kühler Witterung öffnen sich Fraileenblüten selten, selbst wenn die Knospe zum Aufspringen reif ist, eher vertrocknet sie wieder. Es muß offenbar zum Sonnenlicht auch die nötige Wärme hinzukommen.
Fraileen scheinen allgemein wärmeliebend zu sein, besonders die neueren Arten aus Ost-Bolivien. Jedenfalls ist die Ansicht BACKEBERGS 2), daß die Blüten sich nur bei voller Sonne öffnen, dahin zu korrigieren, daß sie sich nur bei Sonne und genügender Wärme öffnen, wie es auch schon CULLMANN und BALZER 3) feststellen.

Bild 1. Herr Hartl und seine Balkon-Sammlung.
Bild 1. Herr Hartl und seine Balkon-Sammlung.

Bild 2. Frailea chiquitana cataphracta in Knospe.....       Bild 3. . . . und voll aufgeblüht. (Fotos: Köhler)
Bild 2. Frailea chiquitana cataphracta in Knospe.....                 Bild 3. . . . und voll aufgeblüht. (Fotos: Köhler)

Diese Wärme war in dem sonnigen und war-men Sommer 1969 gegeben. Übrigens bin ich auch der Meinung, daß BACKEBERGS Behauptung „die wenig sprossenden (Fraileen) scheinen ziemlich kurzlebig zu sein" nicht zutrifft 4). Ich habe schon lange Fraileen gepflegt, seit zehn Jahren sehr intensiv. Die Verluste sind nicht größer als bei Rebutien, Parodien oder Lobivien. Pfropfen ist (außer um schneller Vermehrung willen) meist entbehrlich und reine Geschmackssache.
Unter den Pflanzen des Herrn Dr. HARTL fand ich eine bewußt gezogene, interessante Hybride. Eine Frailea chiquitana-Blüte wurde mangels einer zweiten chiquitana-Pflanze mit Frailea cataphracta gekreuzt. Ergebnis: Wüchsige Pflanzen mit Cataphracta-Charakter, die ebenfalls den „Halbmond" tragen, der übrigens auch bei Frailea uhligiana und einigen Frailea pullispina-Formen auftritt. Die kräftig gelbe Blüte von 6,5 cm Durchmesser hat rote Staub beutel und -fäden, so daß ein roter Schlund entsteht.
Mir wurde ein Topf dieser Hybride freundlicherweise geschenkt und — siehe da! — er blühte in der günstigen Herbsttemperatur auch in der sonst so kalten Eifel! Die Pflanze blühte also wiederholt im Laufe eines Blütenjahres. Das gilt für viele andere Arten auch. Also: Es lohnt sich, Fraileen zu pflegen!

1) Walther Haage „Das praktische Kakteenbuch in Farben" 1961, S. 231
2) Curt Backeberg „Blätter für Kakteenforschung" 1934 - 11
3) Cullmann Balzer „Kakteen unser Hobby" 1963, S. 85
4) Curt Backeberg „Die Cactaceae", Bd. III, S. 1656

Anschrift des Verfassers: Udo Köhler,
Gerolstein (Eifel), Sarresdorfer Straße 15

Bild 4 Frailea chiquitana, Importpflanze bei Firma UHLIG. (Foto: J. Bosch)
Bild 4 Frailea chiquitana, Importpflanze bei Firma UHLIG. (Foto: J. Bosch)

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