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Internoto 32:1, pages 3-10

Notocactus buiningii (Buxbaum) F. Ritter im Frühling
Norbert Gerloff

Obwohl N. buiningii im Scheitelbereich überhaupt nicht wollig ist, hat BUXBAUM diese Pflanze irrtümlich als Malacocarpus (Wollschopfträger) beschrieben. F. RITTER hat sie im Jahre 1979 zu Notocactus gestellt, was Dr. G. SCHÄFER ein Jahr zuvor in SUCCULENTA nebenbei gefordert hatte. Diese Pflanze wurde nach Albert F. H. BUINING, dem ehemaligen Vorsitzenden der Vereinigung SUCCULENTA, benannt.

Als ich meine Reise im Oktober 2009 plante, lockte ich meine Begleiterin Elisa mit dem Versprechen, ihr bestimmte Notokakteen zu zeigen, die sie noch gar nicht aus der Gegend von Pedras Altas und Pincheiro Machado kannte, wo sie zwei Sommer hindurch mit Daniel SARAIVA in der Natur gearbeitet hatte.

N. buiningii gehörte zu diesen besonderen Pflanzen. An der Ruta 30 am Fluss Catalan Grande fand ich diese graugrüne Pflanze schon im Jahre 2006 nicht mehr in der Größe eines Fußballs vor, wie ich sie noch vier Jahre zuvor an diesem Platz gesehen hatte. Diese Stelle konnten wir in diesem Jahr ohne Halt passieren. In der Gegend von Puebla Sepultura - das ist 20 bis 40 km entfernt- sahen wir immer wieder N. buiningii, aber nur junge Exemplare von maximal 5 cm Durchmesser. Hier galt unser Augenmerk den Formen von N. allosiphon Marchesii.

Am 24. Oktober waren wir auf der brasilianischen Seite unterwegs. An einem mir seit 15 Jahren gut bekannten Platz gab es Überraschendes zu sehen. Früher war hier die Haltestelle „Kilometer 410" an der BR 293 - das ist ungefähr in der Mitte zwischen Livramento und Quarai. Von der Asphaltstraße aus gut sichtbar liegt auf der Südseite ein bis zwei Kilometer langes steiniges Wiesental. Fast alle Kakteenfreunde auf Durchreise halten hier an. Am Horizont sieht man die Gebäude der Farm „Sao Joaquim Voites".

In dieser Talsenke gibt es Bereiche mit mehr Gras (auf dem Satellitenbild grün). Dort findet man Frailea pumila (Lem.) Br. & R., Frailea castanea Backeb. und Gymnocalycium uruguayense (Arechav.) Speg. wurde vereinzelt am Zaun gesehen.

Tabelle der Funde an diesem Ort und jeweils die Gf-Nummern
Name
1995
2002
2005 2009
F. pumila Gf 491 gesehen   gesehen
N. buiningii Gf492 Gf 1175 Gf 1563 Gf 2260
N. mammulosus Gf493 Gf1176 gesehen Gf 2259
N. mueller-moelleri Gf 494 Gf 1173
Gf 1178
Gf1561  
F. phaeodisca Gf 495 gesehen Gf1562 Gf2261
N. mamm. cristata Gf496      
G. uruguayense Gf497 Gf 1177 Gf1565 gesehen
F. castanea   Gf 1179 gesehen  
N. sellowii     Gf1564  

Frailea
F. pumila (links) und F. castanea (rechts)

frailea
F. phaeodisca

Oberhalb des kleinen Baches sind immer wieder steinige Bereiche auf mit wenig Gras (im Satellitenbild grau). Einige Terrassen könnte man sogar als Steinplatten mit losem Geröll bezeichnen. Nach dem Regen steht das Wasser noch tagelang in den Mulden.

Hierwachsen N. mammulosus (Lem.) A. Berger ex Beckeb., N. mueller-moelleri Fric ex Fleischer et Schuetz und Frailea phaeodisca (Speg.) Speg.. Im Jahre 2005 haben wir ein einziges Exemplar eines N. sellowii (Link & Otto) S. Theunissen (Gf 1564) an einem hohen Punkt gefunden. Im Jahre 1995 fanden wir alle Fraileen mit ihrem silbernem Körper und den braunen Areolen auf dem Stein sitzend, der Sonne ausgesetzt. Ary D. NILSON verwendete den Namen Frailea perbella Prestlé, für die aber kein exakter Fundort ausgewiesen wurde. Das Material ist identisch mit dem älteren Namen F. phaeodisca. Wir haben bei diesem ersten Besuch nach den Pflanzen gesucht, die 15 Jahre zuvor HORST & UEBELMANN als HU 802 gesammelt haben. Viele Jahre lang haben wir dazu N. mammulosus var. brasiliensis Havlicek auf die Etiketten geschrieben, doch dann haben wir erkannt, dass der Name N. mueller-moelleri viel besser passt. Diese Pflanzen haben einen zylindrischen Wuchs und goldgelbe, viel kleinere Blüten als N. mammulosus.

N. mammulosus wird dicker (bis 10 cm) und nicht ganz so hoch wie breit. Diese Pflanzen findet man immer wieder einzeln in der ganzen Fläche verteilt. N. mueller-moelleri tritt in Gruppen auf, d.h., man findet immer einige Pflanzen unterschiedlichen Alters an einem kleinen Fleck, dann wieder Hunderte von Metern kein Exemplar. Unser Besuch im Jahre 2009 war noch um zwei Wochen zu früh, um an diesen Pflanzen Blüten sehen zu können. Ein paar Tage später konnten wir in der weiteren Umgebung nachmittags gelegentlich Blüten an N. mammulosus sehen. N. buiningii wächst immer wieder dazwischen.

Beschreibung N. buiningii: (ergänzt und korrigiert vom Autor) Körper stets einzeln, nie sprossend, bis 40 cm hoch, 20 cm breit, hell graugrün, im Scheitel nicht wollig. Rippen: ca. 16, sehr dünn, ca. 2 cm hoch, an der Basis 12 bis 14 mm breit, zuweilen spiralig gedreht, in dünne scharfkantige, beilförmige Höcker gegliedert, die kinnartig, die darüber liegenden Areolen um 6 bis 7 mm überragen. Areolen sind anfangs länglich, weißwollig, bald kahl werdend und dann rundlich, Alle Dornen breit und flach, an der Spitze glasig gelblich, an der Basis verdickt und dunkelbraun bis schwarz, bis 3 cm lang. Mitteldornen: etwa 4, kreuzförmig angeordnet, oft von einem kleinen Nebendorn begleitet, bis 4 cm lang.
Blüten bis 7 cm lang, 8 cm breit, außen von weißer bis brauner Wolle bedeckt, mit braunen Borsten besetzt, Blütenblätter rein gelb, die äußeren mit bräunlichem Mittelstreifen, bis 35 mm lang, etwas lanzettartig mit Spitzchen versehen, 8 bis 10 mm breit. Die Blütenblätter können auch rundlich enden.
Röhre glockenförmig, Staubblätter oberhalb einer etwa 1 mm tiefen Nektarrinne inseriert bis zum Schlund, Staubfäden gelb, Griffel etwa 25 mm lang, Narben etwa 9, rot, die Staubblätter überragend, selbststeril. Blüten öffnen kurz vor dem Zenitstand der Sonne.
Frucht: zunächst beerenartig fleischig, zur Reife bis 35 mm auswachsend, rötlich, dann trocknend und an der Basis aufspringend, ähnlich der von N. mammulosus. Samen: helmförmig, mit großem Hilum, das an der Basalseite polsterartig vorsteht, mattschwarz, Struktur ist ähnlich dem Samen von N. herteri. In der Kultur ist die Art vom 3. bis 4. Lebensjahr heikel. Sie reagiert meiner Meinung nach schnell auf falsche Ph-Werte der Erde. Bei uns in Kultur vertragen die Sämlinge das erste und zweite Pikieren sehr gut und wachsen zunächst einmal. Wenn sie im dritten Lebensjahr die Größe von 3 cm bis 4 cm erreicht haben, dann verliert man viele Pflanzen. Das ist in jeder Kultur so - unabhängig vom Substrat - selbst bei Leuten, die als versierte Gärtner und Könner gelten. Später, wenn sie Tomatengröße erreicht haben, machen die Sämlinge keine Probleme mehr. Es verwundert nicht, dass so wenige Sämlinge bei den Händlern zum Verkauf stehen. Diese Art geht auch ohne Blüten gut. In der Beschreibung wird als Verbreitungsgebiet genannt: zwischen Livramento und Quarai bzw. zwischen Tranqueras und Artigas in steinigen Weiden oder auf Steinplatten.

Bei den ersten vier Besuche an diesem Platz haben wir nur kleine Exemplare entdecken können. An einer höheren Stelle sah man große runde Steine. Zwischen den bis 40 cm hohen rotbraunen Steinen stehen die Pflanzen geschützt - sie erreichen hier gut 20 cm Breite und 15 cm Höhe. Das war die erste Überraschung für mich an diesem Tag.
An diesem Frühlingstag des 24. Oktober waren wir gegen 13.30 Uhr an diesem Fundort. Das war eine gute Tageszeit, um Blüten an den Notokakteen der Übergangsgruppe zu sehen. Leider waren alle Blüten an den Pflanzen schon verblüht. An den größten Pflanzen konnten wir 40 bis 50 Blütenreste erkennen.

Die Bedornung ist variabel in der Länge der Dornen und der Färbung. Extreme Pflanzen hatten bis zu 4 cm lange und sehr flache Dornen. Die Dornenfarbe war von glasig hell bis über gelblich zu dunkelbraun. Fast alle Exemplare haben helle Dornenspitzen - am dunkelsten sind die Dornen an der Basis. N. buiningii hat braune, rundliche Areolen, die schon zwei Jahre nach der Blüte in der Natur kahl sind. Alle Detailfotos hat Elisa aufgenommen. Sie hat die Chipkarte ihrer Kamera an dieser Stelle mit zirka 200 Bildern gefüllt.

Leider ist es uns Europäern in den letzten Jahren nicht gelungen, diese Art mit Blüten in der Natur anzutreffen, obwohl wir im zeitigen Frühjahr (Mitte Oktober) in Brasilien waren. Diese Pflanzen waren alle stets verblüht. Auch Freunde von uns, die das Land lieben, haben keine Blütenaufnahmen in der Natur machen können.

Auf Grund der Reife der schon roten Früchte können wir sagen, dass einige Blüten zwei oder drei Wochen zuvor geblüht haben müssen. Auch in unserer Kultur ist N. buiningii einer der ersten Blüher im Jahr. Elisa hat die braungelbe Raupe (Schmetterlingslarve) an den Pflanzen fotografiert, die wir drei Tage später in den blühenden Pflanzen von N. rutilans zu Tausenden sehen konnten. Dort fraßen sie innerhalb weniger Tage die Blütenblätter ab. In den Vorjahren haben wir diese Raupe immer wieder gesehen, uns war der Zusammenhang zwischen ihrem Auftreten und der Blütezeit der Notokakteen nicht klar. In der italienischen Zeitschrift PIANTE GRASSE habe ich darüber einen Artikel geschrieben. Es ist abzuraten, diese Raupen mit bloßen Händen anzufassen. Es brennt sehr unangenehm.

In der INTERNOTO-Diathek findet man viele Bilder dieser Art. Es wird deutlich, dass die Blüten unterschiedlich groß sein können. Die bis 10 cm breiten Blüten haben mit die längsten und schmälsten Blütenblätter der Gattung.

Ich bedanke mich bei Horst H. HENSSEN, Csaba KADAR und Stanislav STUCHLIK für Kulturaufnahmen von N. buiningii, bei Elisa V. SALENGUE für die Detailaufnahmen aus der Natur und bei Alan BUTLER für die Übersetzung der Zusammenfassung.

Norbert Gerloff, ngerloff@aol.com

Summary

The author Norbert GERLOFF reports on a visit to the Fazenda "Sao Joaquim Voites", which is situated on the BR 293, midway between Livramento and Quarai. There you can find in stony meadows N. buiningii (Buxbaum) F. Ritter, Frailea pumila (Lem.) Br. & R., Frailea castanea Backeb., Gymnocalycium uruguayense (Arechav.) Speg., N. mammulosus (Lem.) A. Berger ex Backeb., N. moeller-moelleri Fric ex Fleischer et Schuetz and Frailea phaeodisca (Speg.) Speg.. In 2005 a Single specimen of N. sellowii (Link & Otto) S. Theunissen was still to be found. On arrival at the locality on 24.10. 2009 in the Brazilian spring, all the flowers of N. buiningii were already spent and some had already formed fleshy fruits. The largest plants were more than 20 cm across and bore around 40-50 flower remains. The flowering time of the Fraileas was also past. N. mammulosus and N. moeller-moelleri still needed a few more days to open their flowers. In nature N. buiningii is one of the first bloomers of the year. The colour of the flat spines is very variable, and the length fluctuates between 0,5 and 4 cm. The author's travel companion Elisa SALENGUE was able to document many details of the plants.

Translation by Alan Butler

Literatur
Buxbaum (1968): Kakteen und andere Sukkulenten: Malacocarpus buiningii Buxbaum, 19 (12) :229 -231.
Friedrich Ritter (1979): Notocactus buiningii (Buxbaum) F. Ritter, Kakteen in Südamerika, Band 1 181-184
Norbert Gerloff (2010): Blütenfresser, Piante Grasse, 2010
Dr. Gerhardt Schäfer (1978): Notocactus allosiphon en Notocactus
orthacanthus, Succulenta 57 (2), 26 - 32.
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